Islamfeindlichkeit
Der islamfeindliche Mord an der Muslima Marwa el-Sherbini im Dresdner Landgericht

Auf Hass folgten rassistische Parolen. Aus Wortgewalt wurde Tatgewalt. Dies ist die tödliche Geschichte von der Muslima Marwa el-Sherbini und dem Rechtsextremisten Alexander W.

Auf einem Spielplatz kreuzten sich die Wege des Rechtsextremisten Alexander W. und der Muslima Marwa el-Sherbini zum ersten Mal. Die Mutter spielte nichtsahnend mit ihrem dreijährigen Sohn, bis sie vom Rechtsextremisten aufgrund ihres Kopftuchs als „Islamistin“ und „Terroristin“ bezeichnet wurde.

Muslime „nicht beleidigungsfähig“

Beobachter informierten die Polizei und  El-Sherbini  erstattete Anzeige wegen Beleidigung. Der Täter war sich keiner Schuld bewusst. Aus seiner Sicht seien Muslime „nicht beleidigungsfähig“, da sie keine „richtigen Menschen“ seien, sagte er vor Gericht. Er wurde zu seiner Geldstrafe verurteilt und legte Berufung ein.

Die schwangere Marwa musste ein weiteres Mal aussagen. Ihr dreijähriger Sohn und Ehemann waren auch anwesend. Plötzlich zückte der Rechtsextremist ein Messer und stach 18 Mal auf sie ein.

Rassismus tötet

Ihr Ehemann eilte zur Hilfe und der Rechtsextremist stach drei Mal auf ihn ein. Ein heraneilender Polizist hielt den Ehemann für den Täter und schoss ihm auch noch ins Bein. Der Ehemann überlebte, aber für Marwa El-Sherbini kam jede Hilfe zu spät. Sie und ihr ungeborenes Kind erlagen ihren Verletzungen. Der Täter wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Mord an der Muslima Marwa el-Sherbini zeigt, wohin Vorurteile und Hass führen. Vorurteile sind die Vorstufe von Rassismus. Und Rassismus tötet. Heute vor elf Jahren wurde Marwa el-Sherbini umgebracht.

Übergriffe gegen Muslime gehören zum Alltag 

Islamfeindlichkeit ist nach wie vor ein aktuelles und akutes Problem. Im Jahr 2019 sind laut des Bundesinnenministeriums  950 islamfeindlich motivierte Straftaten begangen worden (2018: 910). Dies entspricht einem Anstieg um 4,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Bei den islamfeindlich motivierten Straftaten handelt es sich unter anderem um Volksverhetzung, Sachbeschädigungen, Beleidigung von Muslim:innen und nicht zuletzt um Angriffe auf muslimische Einrichtungen wie Moscheen. 90 Prozent der islamfeindlichen Straftaten waren im Jahr 2019 rechtsextrem motiviert, so wie im Falle Marwa el-Sherbinis.