Islam in Deutschland
Eine ziemlich deutsche Moschee

In Dortmund-Barop treffen sich jeden Freitag über 100 Muslime zum Gemeinschaftsgebet. Von der Öffentlichkeit unbemerkt wird hier gepredigt.

Hinter dieser Fassade vermuten die meisten Passanten wahrscheinlich keine Moschee. Foto: Hammoud

Hier würde wahrscheinlich niemand eine Moschee vermuten, weil es sich um ein ehemaliges Restaurant handelt. Jeden Freitag treffen sich hier über 100 Muslime zum Gemeinschaftsgebet und der Predigt, so auch gestern Mittag, Abdelhay Fadil, Imam der Wali-Moschee in Barop, gestikuliert viel und wählt seine Worte gezielt während der Freitagspredigt. In seiner Ansprache geht es um Nachlässigkeit in der religiösen Praxis. Ursache dafür sei der materielle Konsum: „Viele Muslime jagen teuren Handys und Autos hinterher, aber übersehen dabei ihre Religion“, so Fadil.

Der maßvolle Konsum ist unter Muslimen weitestgehender Konsens. Die Ausnahme aber ist, dass, wie hier in Barop, der Imam auf Deutsch predigt. Sonst werden Ansprachen in Moscheen vor allem auf Arabisch oder Türkisch gehalten. Bei der diesjährigen Deutschen Islamkonferenz stand vor diesem Hintergrund die Imam-Ausbildung auf der Agenda. Abdelhay Fadil begrüßt dieses Thema und gleichzeitig ist es für ihn eine Selbstverständlichkeit: „Ein Imam muss Deutsch sprechen und die Gesellschaft kennen, in der er lebt. Wir sind eine deutsche Moschee.“

Eine diverse Moschee

Abdelhay Fadil ist 41 und kommt ursprünglich aus Marokko. Mit 19 ist er nach Deutschland für das Studium eingewandert. Mittlerweile wohnt er im Kreuzviertel und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Maschinenbau an der TU Dortmund. Parallel ist er noch Prediger in der Moschee. Eine klassische Imam-Ausbildung hat er nicht absolviert, aber in gewisser Weise wurde ihm sein religiöses Amt in die Wiege gelegt, denn sein Vater war bereits Vorbeter. Dadurch hat sich Fadil seit früher Kindheit religiös weiter gebildet.

Die Muslime in der Baroper Moschee kommen aus unterschiedlichen Herkunftsländern, darunter sind gebürtige Deutsche, Syrer, Libanesen, Bosnier, Marokkaner, Pakistaner und nicht zuletzt Türken mit Migrationshintergrund. „Was die Leute verbindet, ist die deutsche Sprache“, so Abdelhay. Die Moschee wird sowohl von Sunniten als auch von Schiiten besucht.

Die Entstehung der Moschee

​Sonst sind die meisten Moscheen hierzulande in Bezug auf Herkunft und Konfession ziemlich einheitlich. Frauen sind beim Freitagsgebet jedoch fast Fehlanzeige. Dass es nicht mehr sind, liegt aus Fadils Sicht daran, dass in den Herkunftsländern der Muslime, Frauen in Moscheen nicht so aktiv sind. Wenn es nach Fadil geht, dürfen es gerne mehr sein. Dafür werbe er regelmäßig in seinen Predigten.

Am Freitagsgebet nehmen für gewöhnlich bis zu 150 Gläubige teil. Die meisten sind relativ jung, Studenten oder Akademiker. Das liegt auch an der Nähe zur Uni, wo der Grundstein für die Gemeinde gelegt wurde. Als Student hat Fadil dort bereits vor 25 Jahren gepredigt. Um ihn herum bildete sich ein Kreis von etwa 150 Muslimen, die 2006 ihre eigene muslimische Gemeinde gegründet haben.

Die Moschee ist vom Ausland unabhängig

Die Miete für die Immobilie finanziert der Verein aus Mitgliederbeiträgen und Spenden. Fadil betont: „Wir gehören keinem Dachverband an und erhalten kein Geld aus dem Ausland, denn wir legen Wert auf unsere Unabhängigkeit.“