NRW
Muslime demonstrieren vor dem Düsseldorfer Landtag gegen geplantes Kopftuchverbot

„Mein Kopftuch habe ich mit elf Jahren angelegt und es ist die bisher beste Entscheidung meines Lebens“, spricht die mittlerweile 15-jährige Mariam Tabbel in das Mikrofon, vor dem Düsseldorfer Landtag. Mit ihr demonstrieren am 16.05. weitere 150 Personen gegen das geplante Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren. Sie demonstrieren an jenem Ort, an dem das Kopftuchverbot bis Ende 2019 eingeführt werden soll, so Serap Güler (CDU).

Fast alle Demonstrantinnen tragen aus Protest ein rosafarbenes Kopftuch. Die Jungen und Männer haben aus Solidarität eine rosa Binde um ihren Oberarm gelegt. Zu hören sind während der Kundgebung immer wieder Sprechchöre, wie „Mein Kopftuch bin ich“. Die Demonstranten halten beschriftete Plakate in die Höhe: „Glaubensfreiheit auch für junge Menschen“, „Taufe, Beschneidung, Kopftuch. Religiöse Freiheit“, „Kein Zwang, kein Verbot“.

Unter den Demonstrationsteilnehmer ist Sayyed Baker Al-Mussawie, ein islamischer Gelehrter, der das Kopftuchgebot für Mädchen theologisch begründet: „Mit Beginn der religiösen Reife im Islam, ist das Kopftuch verpflichtend. Diese ist für Mädchen mit dem neunten Lebensjahr erreicht“. Eine andere islamische Interpretation besagt, dass die Kopfbedeckung für die geschlechtsreife muslimische Frau geboten ist, die durch die erste Menstruation definiert ist. NRW Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ist hingegen davon überzeugt, „dass das Kopftuchtragen von Mädchen mit Religion nichts zu tun hat“.

Fühle mich dem Kopftuch wie eine Perle in der Muschel

 

Am Rande der Kundgebung steht Jussra Ibrahim aus Gladbeck. Sie ist 20 Jahre alt und trägt das Kopftuch seitdem sie zwölf ist. Sie fühlt sich mit dem Kopftuch wie eine „Perle in der Muschel“. Die Bedeckung erfüllt laut islamischer Lesart den Zweck, die Reize der Frau vor den Blicken fremder Männer zu schützen und ist Ausdruck ihrer Religiosität.

Iman Chahrour, die Mitorganisatorin der Demonstration von der „Initiative für Religionsfreiheit in Deutschland“, ist sechsfache Mutter und hat selbst vier Töchter. Über ihre Motivation zur Kundgebung sagt sie: „Unser Land hat Grundrechte, welche die Würde und Rechte eines jeden Menschen wahren. Die Religions- und Glaubensfreiheit sowie das Erziehungsrecht werden wir uns nicht nehmen lassen.“

Generelles Kopftuchverbot verfassungsrechtlich bedenklich

Laut der Verfassungsrechtlerin Frauke Brosius-Gersdorf ist das Kopftuchverbot möglicherweise verfassungswidrig. Sie sagte am 12. April gegenüber der Rheinischen Post: „Ein generelles Kopftuchverbot für alle Kinder und an allen Schulen halte ich für sehr problematisch.“ Soweit das Tragen von Kopftüchern vor der Pubertät Ausdruck der Religionsausübung sei, würde ein striktes Verbot die Religionsfreiheit verletzen. Ob das geplante Kopftuchverbot gesetzeswidrig ist, wird vielleicht bald das Bundesverfassungsgericht beschäftigen