Chronologie von Hass und Gewalt
Der Mord an der Muslima Marwa el-Sherbini

Auf Hetze folgt Hass. Auf Hass folgen rassistische Parolen. Aus Wortgewalt wird Tatgewalt. Dies ist die tödliche Geschichte von der Muslima Marwa el-Sherbini und dem Rechtsextremisten Alexander Wiens.

Es begann als Alexander Wiens die Reden von Hetzern  hörte und Artikel von Schreibtischtätern las, in denen Muslime mit Terroristen und Islamisten gleichgesetzt werden. Aus Alexander Wiens wurde ein Rechtsextremist.

Auf einem Spielplatz kreuzten sich die Wege des Rechtsextremisten Alexander Wiens und der Muslima Marwa el-Sherbini zum ersten Mal. Die Mutter spielte nichtsahnend mit ihrem dreijährigen Sohn, bis sie vom Rechtsextremisten aufgrund ihres Kopftuchs als „Islamistin“ und „Terroristin“ bezeichnet wurde.

Muslime „nicht beleidigungsfähig“

Mutige Beobachter informierten die Polizei. Marwa erstattete Anzeige wegen Beleidigung. Der Täter war sich keiner Schuld bewusst. Aus seiner Sicht sind Muslime „nicht beleidigungsfähig“, da sie keine „richtigen Menschen“ seien. Er wurde zu seiner Geldstrafe verurteilt und legte Berufung ein.

Am 1. Juli 2009 fand die Berufungsverhandlung statt. Die schwangere Marwa musste ein weiteres Mal aussagen. Ihr dreijähriger Sohn und Ehemann waren auch anwesend. Plötzlich zückte der Rechtsextremist ein Messer und stach 18 Mal auf sie ein.

Rassismus tötet

Ihr Ehemann eilte zur Hilfe. Der Rechtsextremist stach drei Mal auf ihn ein. Ein heraneilender Polizist hielt den Ehemann für den Täter und schoss ihm auch noch ins Bein. Für Marwa kam jede Hilfe zu spät. Sie und ihr ungeborenes Kind erlagen ihren Verletzungen.

Der Mord an der Muslima Marwa el-Sherbini zeigt, wohin Vorurteile und Hass führen. Vorurteile sind die Vorstufe von Rassismus. Und Rassismus tötet. Heute vor acht Jahren wurde Marwa el-Sherbini umgebracht.

Übergriffe gegen Muslime keine Ausnahme

Laut Auskunft der Bundesregierung wurden alleine im ersten Quartal des Jahres 2017, 208 Straften mit islamfeindlichem Hintergrund erfasst. Zu diesen zählen Beleidigungen, Sachbeschädigungen – etwa Nazi Schmierereien an Häusern und Moscheegemeinden-, sowie Körperverletzungen. Die Mehrheit der Straftaten war rechtsextrem motiviert, so wie im Falle Marwa el-Sherbinis.