FLÜCHTLING
Wie Flüchtling Mohammed in Essen einen neuen Job fand

Mohammed (41) flüchtete vor dem Bürgerkrieg in Syrien. Der gelernte Friseur bot in Essen vielen Salons seine Arbeitskraft an – und wurde fündig.

Foto: Ulrich von Born

Montag ist für viele Friseure ein freier Tag, aber nicht für Mohammed und Mokhtar. Beide stehen bereits morgens früh um 10 im Friseursalon „Melek“ in Borbeck. Und es dauert nicht lange, bis der erste Kunde seinen Weg zu ihnen findet. Mokhtar ist gebürtiger Iraker, lebt seit etwa 20 Jahren in Deutschland und ist gelernter Friseur-Meister. Mohammed – besser bekannt unter dem Namen Mido – flüchtete vor dem syrischen Bürgerkrieg und lebt seit gerade mal zwei Jahren hier. Seitdem hat er jedoch eine Menge erlebt.

In Syrien war Mido bereits selbstständig als Friseur tätig

Seit seinem 15. Lebensjahr ist Mido (41) bereits in seinem Metier tätig. Er machte sich in Syrien selbstständig, heiratete und ist Vater von zwei Kindern (15 und 16). Dann brach der Bürgerkrieg aus, der weder seine Familie, noch die wirtschaftliche Existenz verschonte. Eine Bombe zerstörte seinen Friseursalon, er beschloss zu fliehen, um sich woanders eine neue Existenz aufzubauen.

Von Libanon aus begab er sich über die Türkei, Bulgarien, Serbien, Ungarn, Österreich nach Deutschland. „Ich habe den Tod mit meinen eigenen Augen gesehen“, sagt Mido, während er über die Flucht berichtet. „Ich bin ganze Tage und Nächte durch Wälder und über Wiesen gelaufen, ohne zu wissen, ob ich überlebe.“ Um seiner Familie diese Tortur zu ersparen, hat er sich

alleine auf den Weg nach Deutschland begeben, in der Hoffnung dort einen Antrag auf Familienzusammenführung stellen zu können.

Zunächst in einer Asylbewerberunterkunft frisierte er

Hier angekommen, frisierte er seine Mitbewohner in der Asylbewerberunterkunft aus aller Herren Länder. Der Austausch funktionierte, indem sie mit Händen und Füßen kommunizierten. Sobald er die Arbeitserlaubnis in der Tasche hatte, ließ er sich in Essen nieder und suchte auf eigene Faust eine Stelle in seinem Handwerk.

Er bot diversen Friseursalons an, sich in der Probezeit unter Beweis zu stellen. Daraus wurden zwei mehrmonatige Beschäftigungen. Seine Stammkundschaft wurde größer, unter den Arbeitskollegen sei als Folge Neid aufgekommen, das Arbeitsklima immer unangenehmer geworden, erzählt Mido.

Dann kam ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte. Mokhtar fragte, ob er sich vorstellen könne, als gleichberechtigter Partner einen Friseursalon zu führen. Mido willigte ein, die Chemie zwischen den beiden stimmt. Danach gefragt, ob sie nicht die Konkurrenz fürchten, erwidern beide selbstbewusst: „Qualität setzt sich durch.“

Viele Stammkunden blieben ihm im neuen Betrieb treu

Stolz berichtet Mido von seinen männlichen und weiblichen Stammkunden unterschiedlicher Herkunft, die ihm trotz der Arbeitgeberwechsel treu geblieben sind. Manche nehmen sogar den Weg aus Hagen in Kauf, um seinen Service zu genießen. Dazu zählt klassischerweise das Schneiden, Färben, Rasieren, Schönheitsmasken, Massagen, sowie das Zupfen der Augenbrauen.

Privat spielt Mido gerne Fußball und sein Herz pocht für Borussia Dortmund. Seine Nationalmannschaft ist Deutschland, wie er selbst sagt. „Hier möchte ich mit meiner Familie alt werden, um ihnen ein gutes und sicheres Leben zu bieten.“ Den Antrag auf Familienzusammenführung hat er bereits gestellt. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Familie wieder vereint ist. „Ich bin Deutschland für alles unendlich dankbar“ sagt er mit einem Lächeln im Gesicht.